Ich will Zukunft, und das am besten jetzt

Manchmal bin ich ein bisschen frustriert, wir entwickeln ständig alles mögliche weiter, alles wird schneller, genauer und besser aber ich habe das Gefühl wir kommen nicht voran. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Automobil, vorab ich mag Autos und auch Autofahren und ich kann auch einem großvolumigen Motorsound sehr viel abgewinnen, aber Autos die mich faszinieren machen realistisch geschätzt wahrscheinlich nicht mal 1% des Straßenbildes aus.

Der Rest sind meiner Meinung nach irgendwelche Vehikel die irgendwer ohne besonderen Elan entwickelt hat, kurzum ein Transportmittel, und als dieses sollte man auch den Großteil der Wagen betrachten.

Dann stellt sich mir allerdings die Frage warum ein Elektroauto für so viele Leute einfach überhaupt keine Option ist, immer wenn ich mich mal mit jemanden darüber unterhalte höre ich eigentlich immer die selben Argumente: zu teuer, zu wenig Reichweite, kein Motorsound und so weiter und so fort. Für mich persönlich sind das alles nur Ausflüchte und keine validen Argumente weil die Leute sich ihrer Anforderungen überhaupt nicht bewusst sind. Selbst als ich noch gependelt bin wäre ein Elektroauto mit 200 km Reichweite für mich absolut ausreichend gewesen und ich musste jeden Morgen 100 km zur Arbeit fahren, ich wäre zur Arbeit gefahren hätte das Teil geladen während ich arbeite und wäre dann wieder nachhause gefahren und hätte immer noch 100 km Restreichweite gehabt um noch einen Ausflug in den Biergarten zu machen oder noch kurz einzukaufen. Klar dann Spontan nochmal von Zuhause 60 km weit wegzufahren wäre nicht so praktisch, kommt aber bei den meisten Leute auch äußerst selten vor insofern sollte das für die Wahl des Automobils keine Rolle spielen, ich kaufe mir ja auch keinen Sprinter mit Hochdach weil ich einmal im Jahr einen Weihnachtsbaum kaufe oder alle 5 Jahre mal umziehe, dann häng ich mir nen Hänger hinten dran oder leihe mir den Bus von einem Bekannten. Außerdem gibt es in den meisten Familien, Partnerschaften mehrere Fahrzeuge zur Auswahl insofern hätten viele Leute von Haus aus schon die Lösung für das Reichweiten Problem und wer fährt am Tag wirklich die Reichweite seines Autos aus, klar so Leute gibt es aber das ist nicht die breite Masse. Und kein Motorsound ist doch ideal, das ist doch genau das was ich will beim Autofahren im Regelfall, RUHE, warum dämmen wir den unsere Autos sonst seit Jahrzehnten akustisch, warum sind mittlerweile schalldämmende Doppelverglasungen in der Oberklasse der semi Standard? Damit es verdammt nochmal ruhig ist in der Karre. Und wirklich meistens höre ich das Argument nicht von Leuten die einen 4l Reihensechszylinder fahren wo ich den akustischen Aspekt noch nachvollziehen könnte, sondern von Leuten die einen 1l 3 Zylinder Motor fahren der akustisch auch eher einer Nähmaschine entspricht. Klar ein Porsche ohne den typischen Boxersound da fehlt bestimmt etwas, aber nur die wenigsten besitzen einen Porsche und noch weniger fahren ihn als Alltagswagen, insofern gilt auch hier wieder: das Argument gilt nicht für die breite Masse.

Das Preisargument kann ich noch nachvollziehen, es wäre halt auch für viele Leute das erste Elektroauto dass sie sich anschaffen würden und ein Auto ist ja tendenziell immer eine sehr große Anschaffung und ich denke dass die meisten Leute da eher konservativ bleiben, beziehungsweise sie bleiben bei dem gewohnten Modell oder auch bei der Marke. Ich verstehe also dass viele Leute bei einer Anschaffung die leicht ein Jahresgehalt kostet vielleicht nicht auf das Elektroauto zurückgreifen, das dann zusätzlich viele Händler auch nur schwer für eine Probefahrt besorgen können, geschweige denn es überhaupt offensiv bewerben. Meistens sind die E-Autos dann auch noch ein wenig teurer als die konventionell angetrieben Brüder, ich denke aber das sollte sich durch die Steuerbefreiung und die, auf den km gerechneten, niedrigeren Energiekosten wieder ausgleichen.

Also man merkt schon ich bin ein großer Verfechter der Elektromobilität, aber ich sehe da für die Kraftfahrzeuge in den nächsten 15 – 20 Jahren keine großartige Innovation die auf uns kommt. Wir bekommen es ja nicht mal bei unserer Bahninfrastruktur hin auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Ich meine was ist daran verdammt nochmal so schwer, die Bahn fährt immer auf dem selben Gleis, wo ist das Problem eine Oberleitung da hinzulegen und die Bahn elektrisch anzutreiben? Ja okay es kostet Geld das ist mir klar, aber das ist verdammt nochmal Infrastruktur die kostet immer Geld, deswegen bin ich sowieso der Meinung das sämtliche Infrastruktur in staatlicher Hand sein sollte, aber das ist ein anderes Thema. Und wenn wir dabei sind und die restlichen Bahnstrecken elektrifizieren dann machen wir mit den Autobahnen direkt weiter und legen Oberleitungen für die LKW-Fahrspur, und die Abrechnung erledigen wir dann pro gefahrenem Autobahnkilometer, wir haben doch so ein tolles Mautsystem da könnten sich tolle Synergien ergeben (Achtung Zynismus).

Oder noch besser: wir hören auf unseren ganzen Scheiß auf der Straße von A nach B zu fahren und erledigen das ganze auf der Schiene.

Und das deprimiert mich, wir bekommen nicht mal den verdammten Grundstein für unsere Zukunft gelegt, oder wollen die Leute in 50 Jahren noch Diesel verbrennen und sich darüber wundern dass das scheiße ist?! Ich würde gerne in, sagen wir mal 5 Jahren, in den Tesla Laden gehen, mir mein neues Auto bestellen, das direkt mitnehmen können weil die Funktionen die ich haben möchte nur noch freigeschaltet werden müssen und dann den Wagen mit meinem Telefon verbinden und ihm sagen dass er mich nach Hause fahren soll, und ich mache dann ein Nickerchen oder spiele mit dem Bordcomputer rum. Aber ich befürchte jetzt schon dass das in 20 Jahren noch nichts wird mit dem selbstfahrenden Automobil, wenn ich mir diese ganzen Schwachsinnigen „Wer haftet denn dann wenn das selbstfahrende Auto eine Gruppe Schulkinder überfährt“ Diskussionen angucke.

Das ist auch kein Problem dass sich politisch oder juristisch lösen lässt, wir haben einfach in unserer Gesellschaft den Anspruch dass immer jemand die Schuld tragen muss, vielleicht müssen wir uns von diesem Konzept distanzieren und einfach lernen das Unglücke passieren und man niemanden konkret die Schuld dafür geben kann. Natürlich müssten Unfälle akribisch untersucht werden und bei groben Fehlern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, aber ich bin trotzdem der Meinung dass wir wesentlich weniger Verkehrstote zu beklagen hätten, wesentlich weniger Leute im Straßenverkehr verletzt werden würden, und allgemein der Straßenverkehr entspannter ablaufen würde. Es gibt nunmal Aufgaben die Maschinen besser erledigen als wir und nach festgelegten Regeln monotone Aufgaben übernehmen, wie z.B. lange Autobahnetappen fahren oder einparken da brauchen wir uns keinen Illusionen hingeben, das können die Maschinen heute schon besser, als wir es je könnten. Klar passieren dabei auch Unfälle wie z.B. vor kurzem dem Google Auto, aber das war der erste selbstverschuldete Unfall in 2 Millionen Kilometern automatisierter Autofahrt. Ich denke selbst die besten Autofahrer werden keine bessere Statistik vorweisen können, ich wage also zu behaupten das bei einer breiten Verbreitung von selbstfahrenden Autos unsere Unfallzahlen stark zurückgehen werden.

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Autor: Marvin

Anfang-Mitte 20,technikbegeistert,politisch nicht völlig uninteressiert und wohl bald wieder Student.

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