Wie man (Ich) ein Bett baut…

Zuallererst muss man sich darüber im klaren sein was für ein Bett man haben möchte. Bei uns war die Frage Wasserbett oder Lattenrost mit Matratze, wir haben uns für das Wasserbett entschieden. Dann haben wir überlegt welche Größe wir gerne hätten ob man das stellen kann und so weiter und so fort. Ich möchte nochmal erwähnen dass das hier keine Schritt für Schritt Anleitung wird, die möchte ich auch überhaupt nicht geben, aber vielleicht motiviert es euch, auch etwas selber zu bauen, nach seinen eigenen Vorstellungen.

Als die Rahmenbedingungen fix waren, ging es an die eigentliche Planung, welche Höhe soll das Bett später haben, welches Material wollen wir verwenden und so weiter und so fort. Bei uns war relativ schnell klar, wir wollen Holz verwenden, zumindest für den sichtbaren Teil des Betts. Also haben wir uns ein wenig umgeschaut aber ersteinmal nicht wirklich etwas gefunden dass uns zugesagt hätte, bis wir aus Zufall von einem Bekannten 4 gebrauchte Gerüstbohlen angeboten bekommen haben. Die Bohlen hatten die perfekte Stärke, und waren auch lang genug für unser Projekt.

Das restliche Material hatten wir im Betrieb meines Vaters schon vor ein paar Wochen zur Seite gelegt, 19 und 38mm Spanplatte, und 4mm starkes opakes Acrylglas. Das restliche Material wie Hohlraumdosen für die Steckdosen unter den Nachttischen, Aufputzdosen für die Heizung des Wasserbetts, und H07RN-F Mantelleitung zum Anschluss des ganzen, habe ich im Baumarkt gekauft, wobei ich mittlerweile wahrscheinlich 4 Steckdosen pro Nachttisch einbauen würde.

Das Material für den Unterbau

Der Untberbau muss das gesamte Gewicht der Wasserblase tragen, und es möglichst großflächig verteilen. Der Einfachheit halber habe ich den Unterbau exakt so groß geplant wie die Wasserblase, da ich den Platz unter dem Bett eh nicht nutzen möchte. Daher ist mein Unterbau 1,80m x 2,00m.

Dann ging es an das Schneiden der 38mm Spanplatten aus denen sowohl der Außenrahmen gefertigt ist, wie auch die Querstreben und ca. die Hälfte der Längsverstrebungen. Um die gut und gerne 800 – 900 kg, die so ein 1,80m x 2,0m großes Wasserbett wiegt, ordentlich auf dem Boden zu verteilen, wollte ich ungefähr alle 40cm eine Querstrebe setzen, die dann vorne als auch hinten wieder mit jeweils 3 Längsstreben an der nächsten Querstrebe befestigt werden. Wahrscheinlich ist das ganze völlig übertrieben und die Hälfte der Streben hätte wahrscheinlich gereicht, aber ich steh auf stabile Möbel. Ich hatte übrigens den Luxus eine CNC „Plattenaufteilsäge“ zum schneiden der Streben verwenden zu können, wenn man den Anschnitt einmal ordentlich gemacht hat, ist auch der Rest garantiert im Winkel, und es geht dazu noch deutlich schneller, gerade wenn man dasselbe Maß immer und wieder schneidet.

Die hochgelobte CNC-Aufteilsäge

Da die Bohlen wirklich schon sehr sehr benutzt waren, mussten wir uns erst einmal Gedanken darüber machen, welche Bohlen wir für welche Seite des Rahmens nutzen. Da das Kopfteil eh an der Wand steht, also folglich nicht sichtbar ist, muss die hässlichste Bohle natürlich für das Kopfteil verwendet werden, soweit so logisch. Als das geklärt war, mussten wir die Bohlen auf die Richtige Länge, und alle auf eine einheitliche Breite bringen, das ganze haben wir auf der Tischkreissäge gemacht. Zuerst die Bohle auf der ganzen Länge nach auf die passende Breite gesägt, dabei mussten wir darauf achten dass man nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam sägt, da der Schnitt sonst nicht ordentlich wird, oder das Holz Brandspuren bekommt, das wäre in meinem Fall nicht so dramatisch gewesen da die Schnittkanten nicht zu sehen sind.

Ein kleiner Tipp am Rande, wenn ihr etwas sägt, dann macht immer einen Anschnitt und messt und arbeitet von dieser frisch gesägten Kanten weiter. Das garantiert euch dass, vorausgesetzt ihr arbeitet sauber, nachher alle Winkel stimmen und ihr gerade Kanten bekommt.

Der komplette Unterbau

Als alle Einzelteile geschnitten waren, haben wir alles mal probehalber zusammengestellt, um zu gucken ob alles zusammenpasst, und dann die Spanplatten eingelagert. Die Bohlen haben wir auf der Innenseite grob mit der Flex und einer Schruppscheibe abgeschliffen, für alle sichtbaren Kanten haben wir einen Kunststoffbürsten Aufsatz verwendet der wesentlich weniger Material abträgt, dabei aber die Struktur des Holzes herausarbeitet. Und ernsthaft Leute glaubt mir, bei allen Arbeiten mit der Flex eine Schutzbrille tragen. So ein Holzsplitter im Auge ist im besten Fall einfach nur extrem nervig, im schlimmsten Fall war es das mit stereoskopischem Sehen.

So da noch genug Material übrig war, habe ich spontan beschlossen die Nachttischchen direkt in den Bettrahmen zu integrieren, hierfür habe ich die Reststücke der Bohle verwendet und mit einem 200x200mm Balken verschraubt und verleimt. In den Balken musste noch Taschen gebohrt werden damit die Befestigungsschrauben komplett verschwinden, der schräge Schnitt ist dafür gedacht, damit man den Balken nicht sieht wenn man vor dem Bett steht.

Eines der Nachttischchen

So dann den Rahmen zusammengeschraubt und provisorisch über den Unterbau gesetzt um zu sehen ob das mit den Maßen überall hinhaut. Dann folgte nur noch das lasieren des Holzes und später halt der Aufbau in der neuen Wohnung. Der Unterbau ist untereinander komplett verschraubt, der Rahmen und der Unterbau überlappen sich um 100mm und wurden auch dort mehrfach verschraubt. Die Nachttischchen wurden Schlussendlich mit dem Rahmen verbunden. Da so noch der komplette Unterbau aus Spanplatte auf einer Höhe von 200mm rundherum sichtbar gewesen wäre, wurde das ganze noch mit 4mm starkem weißen opaken Acrylglas verblendet, die Platten habe ich vorher zugeschnitten und dann mit Teppichklebeband auf die Spanplatte geklebt, da das ganze nur eine Zierblende ist funktioniert das mit dem Klebeband hervorragend, ohne entweder die Spanplatte oder das Acrylglas zu beschädigen lässt sich das ganze nicht mehr trennen. Als letztes ging es an die Elektrifizierung des Bett´s, dazu wurden die entsprechenden Ausschnitte für die Hohlraumdosen, mit einem Krohnenbohrer, sowohl durch das Acrylglas als auch durch die Spanplatte gebohrt. Auf jeder Seite des Bett´s befinden sich 2 Steckdosen direkt unter dem Nachttischchen, und eine Steckdose befindet sich innerhalb des Bettgestells, hier werden die beiden Heizungen des Wasserbetts angeschlossen. Das ganze Bett wird dann mittels SchuKo-Stecker an eine der Steckdosen angeschlossen die wir mit dem Bett zustellen. Ich sage jetzt mal mit Absicht nicht wie genau ihr das zu verdrahten habt, denn wenn ihr keine Ahnung davon habt solltet ihr das eh einen Fachmann oder einen Bekannten machen lassen der sich damit auskennt.

So und nachdem das ganze dann zusammengebaut elektrifiziert und befüllt wurde, sieht das ganze so aus:

Das fertige Bett, noch mit Schutzfolie auf dem Sockel
Eine etwas nähere Aufnahme

Natürlich ist das ganze nicht perfekt, ich habe während der ganzen Planungs- und Bauphase nicht an ein Kopfteil gedacht, das ist jetzt natürlich etwas schwieriger zu lösen, aber mir schwebt da schon etwas vor das, meiner Meinung nach, ganz gut dazu passt.

Gekostet hätte das ganze Bett jetzt wahrscheinlich eher mehr als ein normales Standardbettgestell wie man sie beim Kauf eines Wasserbetts dazu kaufen könnte. Da allerdings der Großteil der verarbeiteten Spanplatte Reststücke waren, und ich mich Gottseidank bei meinem Vater im Lager bei Schrauben und Acryl bedienen durfte (An dieser Stelle noch einmal Danke Vater), mussten wir im Endeffekt nur den Elektrokram, Lasur, und die Bohlen bezahlen. Deswegen denke ich das wir relativ günstig davon gekommen sind. Allerdings mussten wir dafür natürlich auch selber anpacken. Wir haben jetzt für das gesamte Bett an Zeit gebraucht: ca. ein kompletter Samstag für das schneiden und abschleifen der Platten und den Bau der Nachttischchen. Dazu noch ein paar Stunden für das lasieren. Die Montage war, mit dem Befüllen der beiden Blasen und letzten kleinen Restarbeiten, in ungefähr 2 Stunden erledigt.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Bett, und ich denke es wird mir viele Jahre einen guten Schlaf ermöglichen. In diesem Sinne macht es gut.

Noch ein paar Impressionen:

„Anprobe“
„Anprobe“
Ein kleines Päuschen muss auch mal sein
Wo gehobelt wird… sie wissen schon
Das Holz hat eine sehr schöne Patina
Alle Einzelteile bereit für den Einzug

CC BY-SA 4.0 Wie man (Ich) ein Bett baut… von Marvin ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Autor: Marvin

Anfang-Mitte 20,technikbegeistert,politisch nicht völlig uninteressiert und wohl bald wieder Student.

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